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Society Culture of Peace Jürgen Hahnel im Irak aktuelle Berichte von Jürgen Hahnel aus dem Irak:
Auf der >>> Homepage von Jürgen Hahnel aus Tübingen finden Sie aktuelle Informationen u.a. über ein Spendenprojekt für Waisen- und Straßenkinder im Irak und über Israel/Palästina Als menschliches Schutzschild im Irak Jürgen Hahnel aus Tübingen war als menschliches Schutzschild im Irak. Veranstaltung Jürgen Hahnel, der sich mehr als 6 Wochen im Irak aufhielt, zuletzt mehrere Wochen als menschliches Schutzschild in einer Ölraffinerie in Bagdad, berichtet über seine Erfahrungen vor und während des Krieges und die Hintergründe und Ziele der Human Shield Action. Im Anschluß sollen auch die Perspektiven weiterer Antikriegsarbeit in Tübingen diskutiert werden. Freitag, 11. April 2003, 20.00 Uhr, Schlatterhaus (Großer Saal), Österbergstr.2, Tübingen Veranstalter: Gesellschaft Kultur des Friedens, Freies Radio Wüste Welle, Friedensplenum Tübingen Hahnel im Irak Friedensposten im Wasserwerk (www.tagblatt.de, Text: Uschi Hahn und Rainer Lang, Bild: Ulrich Metz) Der Tübinger hat sich internationaler Gruppe angeschlossenFriedensaktivisten kommen in den Irak, in der Hoffnung doch noch Krieg verhindern zu können. Die einen verstehen sich als menschliche Schutzschilde, wie der Tübinger Jürgen Hahnel, die anderen wollen durch ihre Anwesenheit Flagge zeigen, wie eine Gruppe aus den USA. Als im Januar 1991 der Golfkrieg begann, befand sich Jürgen Hahnel gerade in einer persönlichen Krise und nahm eine Auszeit auf Korsika. 28 Jahre alt war er damals, seit drei Jahren Vater und lebte von Freundin und Kind getrennt. Schon früh war er von seinem Geburtsort Waldenbuch nach Tübingen gegangen, hatte Abitur gemacht, nach zwei Wochen bei der Bundeswehr den Kriegsdienst verweigert und sich seit dem Zivildienst beim Roten Kreuz mit Jobs durchgeschlagen. Nie habe er einen festen Beruf angestrebt, sagt der heute 40- Jährige. Was er zum Leben in einem Bauwagen in der Tübinger Wagenburg braucht, verdient er sich als Gärtner, Fahrer oder Handwerker. Er wolle nicht die ganze Zeit mit Geldverdienen verbringen, erklärt der klein gewachsene, schmale Mann, dem noch heute locker sein Konfirmationsanzug passt. Den hatte Jürgen Hahnel an, als er im Januar gemeinsam mit einer Delegation der Tübinger Gesellschaft Kultur des Friedens im Parlamentsgebäude in Bagdad mit Tarik Aziz, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten des Irak, Tee trank. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte sich Hahnel, angeregt durch ein Interview mit Mitgliedern der US- amerikanischen Gruppe "Voices in the wilderness" (Stimmen in der Wildnis), dazu entschlossen, dieses Mal keine Auszeit zu nehmen, sondern als Friedensaktivist in den Irak zu reisen. Und dort zu bleiben, selbst wenn es zum Schlimmsten käme. Allein die Vorstellung, es gäbe Krieg "und bei uns geht der Konsum, gehen die Partys weiter", sind ihm zuwider. Visum wurde nicht verlängert Das Gespräch in dem prunkvoll möblierten Empfangszimmer im zweiten Stock des Marmorpalastes, den das Baath- Regime unter Saddam Hussein den ohnmächtigen Volksvertretern im Irak errichtet hat, dauerte lange. Auf die Frage, was man im Irak denn von friedliebenden Gästen in der derzeitigen Situation erwarte, sagte Aziz, es wäre nützlich, wenn sie zivile Einrichtungen schützen könnten: Wasserwerke, Einrichtungen der Stromversorgung oder Telekommunikation. Drei Wochen später, die Delegation aus Tübingen, zu der auch der Liedermacher Konstantin Wecker gehörte, war längst wieder aus Bagdad abgereist, musste auch Jürgen Hahnel den Irak verlassen. Entgegen allen Versprechungen war sein Visum nicht verlängert worden. Zum Hospital nach Basra Hahnel, der sich inzwischen den "Stimmen in der Wildnis" angeschlossen hatte, verbrachte fast einen Monat im jordanischen Amman. Er beschrieb die desolate Situation in dem Land, das nach 30 Jahren Diktatur, zwei Kriegen in 20 Jahren und zwölf Jahren UN-Sanktionen ausgelaugt ist. Immer wieder warb er für Protest und Widerstand gegen den Krieg, "ein geplantes Verbrechen", wie er sagt. Seit knapp einer Woche ist er wieder in Bagdad, als Mitglied des losen Zusammenschlusses internationaler Kriegsgegner, die als menschliche Schutzschilde vor zivilen Einrichtungen im Irak ein Zeichen gegen die drohenden Bomben setzen wollen. "Human Shields" nennen sie sich, "menschliche Schutzschilde". Vom Regime werden sie unterstützt. Es gibt offizielle Listen mit Objekten, die als gefährdet gelten. Den Schutzschilden werde überlassen, wo sie sich niederlassen, sagt Hahnel. Er selbst würde sich gerne in Basra in einem Hospital nützlich machen. Für diese Klinik hatte er bereits in Tübingen Geld gesammelt. Behandelt werden dort vor allem krebskranke Kinder. Etwa 200 Aktivisten vor Ort Wahrscheinlicher ist, dass er in den nächsten Tagen seinen Posten vor einem Wasserwerk bei Bagdad beziehen wird. "Notfalls wollen wir auch mit dem Risiko verletzt oder getötet zu werden gegen die verbrecherischen Planungen und Vorhaben der Militärs vor allem der USA und Großbritanniens vorgehen", schreibt er. Aber noch hoffen er und seine Mitstreiter auf Frieden. Das Pentagon hat Kriegsgegner davor gewarnt, sich als menschliche Schutzschilde im Irak niederzulassen. Das US-Militär könne im Falle eines Angriffs nicht für ihre Sicherheit garantieren, sagte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Davon lassen sich die derzeit 200 Aktivisten, die nach Auskunft des Gründers des Zusammenschlusses, Ken OKeefe, vor Ort sind, nicht beeindrucken. Eine erste Gruppe hat vor kurzem in der Kläranlage "7. April" bei Bagdad Stellung bezogen. Verarmung weiter Teile der Bevölkerung Die Mitglieder von "Stimmen in der Wildnis" stellen sich nicht als Schutzschilde vor mögliche Angriffsziele, sondern wollen den Menschen durch ihre Anwesenheit mehr Sicherheit geben und ein Zeichen gegen den Krieg setzen. "Das Beste, was wir machen können, ist die Hotels zu füllen", erklärt Kathy Kelly aus Chicago. Die Mitbegründerin der Organisation hat im September vergangenen Jahres ein Friedensteam für den Irak ins Leben gerufen. Seither sind ständig Freiwillige aus den USA im Irak. Sie wollen auch im Kriegsfall bleiben. Kathy und viele ihrer Mitstreiter kennen den Irak seit Jahren. Die Organisation ist entstanden aus Protest gegen die von den Vereinten Nationen (UN) nach dem ersten Golfkrieg 1991 gegen den Irak verhängten Sanktionen. Seit 1996 sind etwa 50 Delegationen in den Irak gereist. Sie beklagen die Verarmung weiter Teile der Bevölkerung, die extrem hohe Arbeitslosigkeit, den Mangel an sauberem Trinkwasser und den Mangel an Medikamenten. Solidaritätstreffen religiöser Führer Auch Naithan Musselman aus Virginia hat sich dem Friedensteam angeschlossen. "Ich bin gekommen, um das, was hier geschieht den Menschen zu Hause zu vermitteln", erklärt der junge Mann. Die Amerikaner sammeln Informationen, zum Beispiel bei den Vereinten Nationen, sie besuchen Familien, besonders diejenigen die auf Hilfe angewiesen sind. So haben sie einem herzkranken Mann zu einer Operation verholfen, sie helfen in Kinderheimen oder Altenheimen, wie Peggy Gish, eine resolute ältere Dame. Elias Amidon und seine Frau Elizabeth Roberts schmieden Pläne für eine spektakuläre Aktion. Die beiden haben früher an der Universität gelehrt und sind jetzt zu Kathys Gruppe gestoßen. Sie haben alles, was sie hatten, verkauft, als sie in den Ruhestand gingen und eine Friedensinitiative gegründet. Ein Solidaritätstreffen religiöser Führer aus aller Welt im Irak schwebt den beiden vor. |